Bericht zum Berliner Lehrgang im Mai 2017

Am 06. Mai 2017 lud der Verein Shin-Gi-Tai Kai Berlin e.V. zu einem zweitägigen Karatelehrgang in die Hauptstadt ein.

Unter der Leitung von Nakahashi Sensei (9. Dan und technischer Direktor des Dento Shito Ryu) und der Assistenz von Carlos Molina Sensei (8. Dan) nahmen rund 70 Karateka aus ganz Europa am Seminar teil; so fanden sich unter anderem Übende aus Polen, Griechenland, Frankreich und Finnland ein.

Am ersten Tag des Seminares standen nach einigen Aufwärmübungen die Kata Seisan und Tensho aus dem Naha-Te auf dem Programm. Diese  Formen legen besonderen Wert auf korrekte Haltung und den Wechsel von Kraft und Entspannung. Nakahashi Sensei unterbrach die Übung der Form immer wieder, um Anwendungsbeispiele zu demonstrieren und auch den Übenden Raum für Partnerübungen zu geben.

Im Anschluss wurden die fünf Prinzipien der Abwehr (Uke no Gogenri) nach dem Begründer des Shito Ryu, Kenwa Mabuni, geübt: Rakka, Ryu-sui, Kusshin, Ten-i, Hangeki. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um die unterschiedlichen Möglichkeiten, einem Angriff zu begegnen; entweder durch einen harten Block, ein sanftes Aufnehmen und Umleiten, durch den elastischen „Federeffekt“ von Energie-Komprimieren und Energie-Expandieren, durch Ausweichen oder auch durch eine direkte Offensive in den „toten Winkel“ des Angreifers.  Diese Partnerformen zeigten eindrucksvoll, wie dieselben Grundsätze von unterschiedlichen Ausübenden gänzlich anders umgesetzt werden.

Nach einer ausgiebigen Mittagspause wurden schließlich die Formen Haufa und Hakucho thematisiert. Beide Formen entstammen der Schule des Weißen Kranichs und betonen  zugleich elegante und leichtfüßige, doch trotzdem kraftvolle und effektive Techniken; zweifellos stellten sie eine besondere Herausforderung für die meisten Übenden dar!

Der erste Tag des Lehrgangs wurde mit einer Danprüfung geschlossen. Aus Osnabrück nahmen zwei Karateka zur ersten Danprüfung teil: Tom Imeyer und Rob Imeyer. Es war eine besondere Ehre – samt dem entsprechenden Stress! – vor solch beeindruckenden „Karate-Mythen“ wie Sensei Molina und Sensei Nakahashi das eigene Karate präsentieren zu dürfen. Durch Kampfgeist und Präzision wussten die Prüflinge zu überzeugen, sodass schließlich alle Kandidaten erfolgreich bestanden. An dieser Stelle noch einmal herzliche Glückwünsche an alle Prüflinge – und ein besonderes „KAMPAI!“ für Tom und Rob, die ersten aus dem Shin-Gi-Tai Kai Osnabrück hervorgegangenen „Schwarzgurte“: gut gemacht!

Am Sonntag wurde an die „Kranichkata“ des Vortages angeknüpft: Während sich die Kyugrade erneut Hakucho widmeten, wandten sich die Danträger noch der Form Papuren zu. Diese sehr alte, aus Südchina stammende Kata verlangte den Übenden nicht zuletzt wegen der zahlreichen technischen Details vollste Konzentration ab.

Nakahashi Sensei richtete nach dieser letzten Übungseinheit des Lehrgangs noch persönliche Worte an die Teilnehmer: Er betonte, dass es ihn mit Freude und Stolz erfülle, dass so viele Übende aus so vielen Ländern und verschiedenen Alters den Weg auf sich genommen haben und zwei Tage gemeinsam trainiert haben. Er hob hervor, dass das Wesen des Budo in der Gemeinschaft liegt und es zunächst auf das „Geben“ ankommt, nicht auf das „Nehmen“; dies hätte man bei den anwesenden Karateka gespürt.

Nakahashi Sensei ist nur beizupflichten: Trotz verschiedener Nationalitäten und unterschiedlichem Kenntnisstand herrschte eine freundschaftliche, harmonische Stimmung; die Teilnehmer unterstützten einander und konnten voneinander profitieren, unaufhörlich bemühten sich Sensei Molina und Sensei Nakahashi um jede/n Trainierende/n.

Ihnen beiden gilt unser besonderer Dank wie nicht zuletzt auch dem Ausrichter-Team des Shin-Gi-Tai Kai Berlin für einen engagierten und professionellen Lehrgang.

Der Shin-Gi-Tai Kai Osnabrück freut sich schon auf den nächsten Besuch in Berlin!

 

(Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung Silvia Pellegrinis)

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