Bericht Karatelehrgang am 10.06.2017 in Osnabrück

Der Shin-Gi-Tai Kai Osnabrück e.V. freute sich, am 10. Juni Shihan Carlos Molina (8. Dan) aus Berlin empfangen zu dürfen. Seit 2011 besucht Sensei Carlos seinen Tochterverein in Osnabrück, doch dies war das erste Seminar, das Shin-Gi-Tai Kai Osnabrück als eigenständiger Verein ausrichtete – was es noch besonderer machte!

Wir freuten uns über die fast 30 Karateka unterschiedlicher Schulen und Stilrichtungen, die den Weg zu uns gefunden hatten; so waren neben dem Shito-Ryu auch Mitstreiter aus dem Shotokan, Goju-Ryu und vom Shukokai vertreten.

Die erste Trainingseinheit umfasste zunächst Grundlagen der Schritt- und Beinarbeit, bevor es an ausgiebiges Kumite-Training (Partnerübungen) ging. Es wurden die verschiedenen Stufen des Kumite erklärt, die sich über ein komplett abgesprochenes Üben über eine Form des sich stetig ergänzenden hin zu einem freien Kampf erstrecken. Carlos ging dabei auch auf die unterschiedlichen Stilrichtungen ein, da z.B. die grundlegend geübten Formen des Shotokan (u.a. Heian Kata) von denen des Goju-Ryu (Gekisai-Dai Kata) voneinander abweichen und die verschiedenen Karateka somit verschiedene „Fundamente“ haben, auf denen sie aufbauen.

Insbesondere die mittlere Stufe (Fukushiki Kumite) schien vielen Teilnehmern noch nicht geläufig zu sein; hierbei greift zunächst ein Partner mit einem abgesprochenen Angriff an und der andere wehrt nach freiem Ermessen ab. Dann kontert dieser wiederum frei, worauf der andere Teil abermals reagiert. So entsteht nach und nach eine beliebig lange Kombination, die nicht nur einzelne Techniken und Grundlagen übt, sondern auch zur Kreativität und zum Umsetzen der Kata (Form) anregt.

Nach einer ausgiebigen Mittagspause stand ein kurzes, aber intensives Grundlagentraining zur Stärkung des Körpers auf dem Programm. So wurden Fingerspitzen, Hände, Fäuste Unterarme etc. teils mit dem Partner gestärkt. Carlos hob die Wichtigkeit dieses Trainings hervor, da das Karate ohne die „gut gepflegten Werkzeuge“ ineffektiv sei.

Danach widmeten wir uns der Kata Shisochin. Der Ursprung dieser Form ist nicht abschließend geklärt; sie ist dem Naha-Te zugeordnet und enthält Elemente, die sowohl an andere Naha-Te Formen Higaonnas, aber auch an Formen Aragakis erinnern. Der Name „Shisochin“ wird frei mit „kämpfen in vier Richtungen“ übersetzt. Sie ist fester Bestandteil des Goju-Ryu und des Shito-Ryu.

Beim Üben zeigten sich wieder die verschiedenen Ausprägungen der unterschiedlichen Stile. Gerade unsere Freunde vom Shotokan, für die diese Form völlig neu war, hatten schwerer zu kämpfen; jedoch gelang es allen nach hartem Training, überzeugende Ergebnisse zu präsentieren. Natürlich durfte auch die Anwendung der Form nicht fehlen. Dabei kamen neben Schlagtechniken besonders auch Hebel- und Wurftechniken zum Einsatz.

Anschließend übten die niedriger Graduierten weiter an Shisochin, währende von den höher Graduierten noch die Form Hakucho („Großer weißer Vogel“ oder auch „Schwan“) trainiert wurde. Diese Form entstammt dem Baihequan („Weißer Kranich Kung Fu“) von Go Kenki und wurde durch Kenwa Mabuni überliefert. Sie imitiert nach außen hin die Bewegungen eines Vogels und verzichtet weitgehend auf äußerlich harte Techniken. Diese eher selten geübte Form, die ausschließlich im Shito-Ryu gepflegt wird, forderte alle Trainierenden, da sie neben dem neu zu erlernenden Ablauf auch ein Fokussieren auf „weiche“ Kampftechniken, wie Schläge mit Fingerspitzen oder runde Abwehrbewegungen verlangt.

Am Ende des Seminars betonte Carlos Sensei noch einmal explizit die Bedeutung der tradierten Werte von Mabuni – Höflichkeit, Geduld, Mut, Bescheidenheit – im Karate. Er erklärte, wie wichtig es sei, auch mit Karateka anderer Stilrichtungen zu trainieren und dass es nicht reiche, sich nur dort weiterzuentwickeln, wo man ohnehin schon gut ist. Er freute sich sehr über das zahlreiche Erscheinen so vieler verschiedener Karateka und betonte, dass der Stil grundsätzlich etwas Persönliches sei und jeder sein eigenes Karate entwickeln müsse. Die verschiedenen Schulen wie Shotokan, Shito-Ryu etc. seien dabei verschiedene Pfade hin zum selben Ziel.

Mit diesen Worten endete das Seminar zwar im Dojo, doch fanden viele der Teilnehmer sich hinterher zu einem gemeinsamen Essen zusammen, sodass man sich noch bis spät in die Nacht austauschte und Kontakte geknüpft wurden.

Wir vom Shin-Gi-Tai Kai Osnabrück danken Carlos Molina Sensei ganz herzlich für diesen tollen und erfolgreichen Lehrgang sowie allen Teilnehmern für das zahlreiche Erscheinen und Mitmachen! Wir hoffen, dass wir euch alle spätestens im nächsten Jahr wieder begrüßen dürfen!

Tom Lasar Imeyer

(Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung von Silvia Pellegrini)

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.